Die Gestaltung des Maple Leaf

Die Gestaltung des Maple Leaf

2. September 2019 2 Von Sonja Sartys

Alle „Maple Leaf“-Münzen (bis auf Kupfer) tragen das gleiche Design: zum einen das Blatt des Zuckerahorns, welches das Nationalsymbol Kanadas ist und die Rückseite der Münze schmückt und zum anderen ist auf der Vorderseite der Münze das Profil der Königin Elisabeth II. zu sehen.

Rückseite des Maple Leaf: Das kanadische Ahornblatt

Auf der Rückseite des Maple Leaf schwebt der Schriftzug „CANADA“ über einem Ahornblatt. Darunter verläuft „FINE GOLD“ bzw. je nach Metall die passende Angabe und das Feingewicht der Münze in Unzen. Auf beiden Seiten neben dem Ahornblatt deuten die Ziffern „9999“ auf den Feingehalt der Münze hin.

Das unverkennbare Blatt des Ahornbaumes (engl. maple tree) ist das Staatssymbol Kanadas: Der Zuckerahorn ist einer der bekanntesten Bäume der Nation. Und das nicht ohne Grund. Geschätzt wird der Baum vor allem wegen seines Zuckersirups, der aus dem Stamm gewonnen wird. ( Hierzu speichert der Baum im Herbst Stärke in der Rinde und den Wurzeln, welche im Winter zu Zucker konvertiert und zur Energiezufuhr in den Stamm geleitet wird. Außerdem färbt sich das Laub der Ahorne im Herbst rot und lässt dadurch eines der größten Naturspektakel Nordamerikas entstehen. Viele Ahornarten sind vor allem in Kanada, aber auch weltweit heimisch. So begleitet dieser Baum die Menschheitsgeschichte seit langem und bürgerte sich letztendlich auch als Nationalsymbol einer ganzen Nation ein.

Das originale „Maple Leaf“-Blatt stammt aus der Feder des Royal Canadian Mint Chef-Graveurs Walter Ott. Dieser wurde im Jahre 1928 in Österreich geboren und emigrierte im Jahre 1952 nach Kanada. Dort arbeitete er weiterhin als Graveur und lehrte in seinem Fachgebiet. Nach zwölf Jahren schloss er sich der Royal Canadian Mint an und übte sein Handwerk in ihrem Namen aus. Von 1977 bis 1985 war er Chefgraveur und Direktor für Kunst in der Prägeanstalt. Die Royal Canadian Mint verdankt ihm das Motiv für ihre erfolgreichste Anlagemünze „Maple Leaf“. Bis heute ist das von ihm entworfene Ahornblattmotiv unverändert geblieben und auf der Rückseite des Maple Leaf zu sehen.

Vorderseite des Maple Leaf: Königin Elizabeth II

Auf der Vorderseite des „Maple Leaf“ ist stets das Porträt der Königin zu sehen. Doch selbst Königin Elisabeth II hat sich seit 1979 äußerlich etwas verändert. Daher wurde das Porträt der Königin an den Lauf der Jahre angepasst. Bisher gibt es drei verschiedene Porträts, die den „Maple Leaf“ von der ersten Prägung an schmücken.

Von 1979 bis 1989 zeigt die Münze das Porträt einer 39-jährigen Königin. Von 1990 an zeigt sie ein Profil nach 64-jährigem Vorbild und seit 2005 ist die Königin im stolzen Alter von 79 Jahren zu sehen. Neben dem königlichen Porträt ist der Schriftzug „ELIZABETH II“, sowie das Prägejahr und der Nennwert der Münze zu erkennen.

1979 – 1989: Porträt der 39-jährigen Elizabeth II, entworfen von Arnold Marchin

Arnold Machin war ein bedeutender britischer Künstler, Bildhauer und Münzgestalter. Seine Ausbildung begann er als Porzellanmaler, um anschließend an der heutigen Staffordshire University Bildhauerei zu erlernen. Machin war als Designer für die Porzellanmanufaktur Wegdwood tätig und Mitglied der Royal Academy of Arts. Im Jahre 1964 wurde er mit dem Entwurf des Porträts der Königin Elisabeth II. beauftragt.

1990 – 2003: Porträt der 64-jährigen Elizabeth II, entworfen von Dora de Pédery-Hunt

Die aus Budapest stammende Dora de Pedery erhielt ihre Ausbildung zur Bildhauerin an der „Royal Academy of Fine and Applied Arts“. Nach der deutschen Besetzung Ungarns im Jahre 1944 floh ihre Familie in den Westen, zunächst nach Deutschland. Dank eines Stipendiums konnte de Pedery 5 Jahre später nach Kanada emigrieren. Dort war sie Teil vieler künstlerischer Gremien und lehrte Bildhauerei am Ontario College of Art. 1990 fertigte sie das Porträt von Königin Elisabeth II. an, welches bis ins Jahr 2003 auf jeder kanadischen Münze zu sehen war.

2004 – heute: die 79-jährige Elizabeth II, porträtiert von Susanna Blunt

Blunt ist eine kanadische Künstlerin, die bekannt ist für das Porträt von Königin Elisabeth II, welches seit 2003 auf der Vorderseite kanadischer Münzen zu sehen ist. Die in China geborene Tochter eines Bänkers begann ihre Ausbildung als Jugendliche in der Banff School of Fine Arts. Danach studierte sie in British Columbia und zog anschließend nach London, wo sie eine weitere Ausbildung an der Royal Academy genoss. Ihre Porträts sind weltweit bekannt. Viele Menschen aus dem öffentlichen Leben schätzen ihr Handwerk und haben sich von ihr porträtieren lassen.

Die Prägeanstalt Canadian Mint lud sie mit acht weiteren Künstlern ein, an einem nationalen Wettbewerb für ein neues Münzporträt der Königin Elisabeth II teilzunehmen. Der Jury war das künstlerische Schaffen Blunts bereits bekannt. Sie gewann den Wettbewerb mit einem Entwurf nach der Vorlage einer Fotografie der Queen. Seit 2003 wurde das Porträt von Königin Elisabeth II auf der Vorderseite kanadischer Münzen geprägt.

Symbolik – Das Ahornblatt als Nationalsymbol

Anfang des 18. Jahrhunderts ernannten die französischen Kanadier, welche am Saint Lawrence River landeten, das Ahornblatt zu ihrem Emblem. Das Symbol erfreute sich hoher Beliebtheit und wurde 1834 bei dem Treffen der Gesellschaft Saint-Jean-Baptiste zur Repräsentation der Siedlergesellschaft vorgestellt. Jacques Viger nannte den Ahornbaum „den König unserer Wälder und das Symbol des kanadischen Volkes“. Im Laufe der Jahre begann sich das Ahornblatt im Alltag der Kanadier, einzubürgern. Dies geschah beispielsweise durch das Erscheinen des Emblems auf allen kanadischen Münzen von 1876 bis 1901. Bereits zuvor, im Jahre 1868, fand es erstmals Verwendung in dem Wappen von Ontario und Quebec und wurde schließlich im Jahre 1921 zum kanadischen Wappen hinzugefügt. Zum Nationalsymbol avancierte es 1965, als es auf der Flagge Kanadas seinen Platz fand. Die Darstellung des Ahornblatts ist stark stilisiert und zeigt das Blatt mit 11 Spitzen und einem Stiel. Das Blatt soll keine bestimmte Art darstellen, sondern alle in Kanada wachsenden Ahornarten repräsentieren.

Besonderheiten

Es gibt zwei Besonderheiten, die den Maple Leaf von anderen Anlagemünzen abheben:

Radiale Linien:

Im Jahre 2015 wurde der klassische Münzgrund der Münze durch die Gravur mikrometergenauer radialer Linien optimiert. Die nah aneinander liegenden Linien erzeugen ein einmaliges und faszinierendes Muster bei genauer Betrachtung der Münze.

Mikro-Gravur:

Neben der Bullion DNA wird auf jede Anlagemünze per Mikro-Gravur ein mattes Ahornblatt eingraviert, welches die zwei Ziffern des Prägejahres in sich trägt. Deutlich zu erkennen ist es erst mithilfe einer Lupe.


Qualitätstufen des Maple Leafs: Worauf geachtet werden sollte

Die Äußerliche Unversehrtheit und Qualität einer Maple Leaf Münze spielt nicht nur für Sammler eine große Rolle. Auch Anleger sollten darauf achten, möglichst neue und hochwertig geprägte Münzen zu kaufen. Dies hat zwei Vorteile: Einerseits können bei unversehrten Maple Leaf Münzen moderne Sicherheitsmerkmale leichter identifiziert und so Fälschungen ausgeschlossen werden. Andererseits gestaltet sich auch der Verkauf von möglichst unberührten Münzen in Prägequalität beim Händler als einfacher. Münzen mit Qualitätseinbußen wie Beschädigungen können den Ankaufpreis senken, wenn die Investition aufgelöst werden soll.

Brilliant Uncirculated – alle äußerlichen Merkmale intakt

Beim Kauf einer Maple Leaf Münze sollten Sie nach dem Kürzel BU Ausschau halten. Dieses steht für „Brilliant Uncirculated„. Uncirculated bedeutet so viel wie „noch nicht im Umlauf gewesen“. Eine Münze der Qualitätsstufe Brillant Uncirculated kann kleinere Kratzer und Makel aufweisen, behält allerdings alle äußeren Merkmale der Prägung bei. Im Fall des Maple Leafs bedeutet das, dass z.B. das Radiale Hintergrundmuster noch deutlich erkennbar ist und Privy Marks bzw. die Lasergravur zum Lesen der Bullion DNA intakt sind. Münzen dieser Kategorie werden in großem Umfang von Händlern angeboten und sind unter Anlegern am beliebtesten. Höhere Qualitätsstufen sind vor allem für Sammler interessant.

Höhere Qualitäten als Brilliant Uncirculated

Die „Sheldon coin grading scale“ ist eine oft benutzte Skala zum Bewerten der Qualität von Münzen. Die Skala reicht dabei von 0 bis 70, wobei 70 eine perfekte Münze ohne jegliche Makel bezeichnet. Münzen, die in ihrer Qualität 60 oder mehr Punkte erreichen werden auch als Mint State (MS) oder Uncirculated bezeichnet. Die Brilliant Uncirculated Münzen aus dem Handel weisen meist Qualitäten zwischen MS-60 und MS-63 auf. Für höhere Qualitätsstufen sind andere inoffizielle Namen im Umlauf, die folgende Tabelle zeigt die geläufigsten:

Choice UncirculatedMS-63, MS-64
Gem UncirculatedMS-65, MS-66
Superb Gem UncirculatedMS-67, MS-68, MS-69
Perfect UncirculatedMS-70

Achtung: Auch wenn eine Münze z.B. als Perfect Uncirculated angeboten wird, kann es durchaus sein, dass ein externer Tester der Münze eine andere/niedrigere Qualitätsstufe attestieren würde. Dies sollte von Sammlern beim Münzkauf immer im Hinterkopf behalten werden.